Da ich kein geeignetes Forum für „Anfänger“ oder „Wiedereinsteiger“ in die Bike-Szene gefunden habe, dachte ich mir, machs mal in der Plauderecke um einen Einstieg und evt. ein paar Tips zu bekommen. Aber erstmal zu meiner Person.
Mein Name ist Andy, bin 46 Jahre alt und komme aus dem schönen Siegerland. Nach einer Abstinenz von ca. 26 Jahren haben ich beschlossen, mal wieder das motorisierte Zweirad für ein paar Tagestrips oder Wochenendausflüge zu nutzen.
Leider ist dieser zweirädigre Untersatz nicht vorhanden, die Klamotten auch nicht (bis auf zwei neue Helme), und über die aktuelle Marktsitutation bez. Maschinen habe ich auch keinen Überblick. Desweiteren ist natürlich das Budget stark eingeschränkt; wie solls auch anders sein mit zwei Kindern, zwei Autos und einem Eigenheim!
Der Wunsch wieder Motorrad zu fahren begann eigentlich letzen Jahres als die Kollegen die jährliche Firmentour angetreten haben. Habe meiner Frau davon erzählt, und bin total überrascht worden, das sie voll hinter dem Gedanken steht gemeinsam dieses Hobby zu betreiben. Jetzt sitzen wir hier in der Planungsphase für das nächste Jahr… (Achja, heute mit dem Auto und den Kids ein kleiner Trip ins Rothaargebirge nach Winterberg, traumhafte Kurven und Strassen)
Und genau da geht das Problem und die Fragen los. Grundsätzlich würde ich gerne eine Reiseenduro haben. Eine gerade entspannte Sitzposition auch für einen 1,92m Mann würde ich bevorzugen. Desweiteren will ich am Berg nicht verrecken mit der Kiste nur weil ein Beifahrer auf dem Sozius vorhanden ist.
Erste Frage: Reicht ein 650ccm/49PS Einzylinder ala Aprilia Pegaso für mein Vorhaben und auch für den Wiedereinstieg.
Ich bin vor 2 Jahren nach 13 Jahren Pause wieder aufgestiegen.
Ich hab mir eine XJR 1300 gekauft
Entspannte aufrechte Sitzposition (bin 1,91)
Deppensicher zu fahren- es ist immer der richtige Gang eingelegt
Ohne Verkleidung- bin selten über 130km/h
Auch zu zweit sind 500 km kein Problem
ein unverwüstliches Motorrad ums kleine Geld
Von der Motorisierung her bestimmt der Hammer aber leider überhaupt nicht mein Geschmack.
Suzuki VStorm oder ne dicke BMW wären nicht schlecht sind aber unbezahlbar.
Wie sieht’s denn aus mit so einer 8-10 Jahre alten Pegaso mit ca. 20.000 - 30.000Km. Gibt’s schon für 2000-3000 Teuros. Suzuki Freewind oder Honda Transalp wären ja auch noch Alternativen.
Ui, das ist ein breites Feld.
Also: Pegaso-Motor ist aus dieser Zeit baugleich zum BMW GS650 Einzylinder. Gut, hat für einen Anfänger genug Druck, ist hübsch, kein Säufer, zuverlässig und Services können selbst gemacht werden.
Alternativen, Einzylinder:
Honda XL 600 RPD (Rallye Paris-Dakar), die mit dem grossen Wüstentank und rotem Motor sowie rotem Rahmen. Ein Traum aus meiner Jugend. Zuverlässig, unkaputtbar, nur selten in gutem Zustand zu treffen. Aber sonst: gefällt.
Honda Dominator 650, wen möglich mit Kick-Starter, also der 1. Generation, da die richtig Druck haben.
Kawasaki KLR/KLE, wobei ich wegen der Verkleidung die KLR nehmen würde.
Suzuki 650 DR/E, weil die den E-Starter hat
Suzuki 750 oder sogar 800 DR BIG. Die Dinger bieten richtig guten Windschutz, sehr bequem, langstreckentauglich bis der Arzt kommt. Vor dem Kauf oder gleich nach dem Kauf (je nach dem, wie der Vorbesitzer das Ding schon modifiziert hat) eine 3. Gabelbrücke einbauen, da das Vorderrad wegen der irrsinnig langen Gabel sich bei Vollbremsungen quer stellt (verziehen, weil nur 1 Bremsscheibe vorne).
Suzuki Freewind, wohl die beste Suzuki 1-Zylinder, die je verkauft wurde. Ebenfalls auf 1. Generation gucken wegen der Leistung.
BMW GS650, aber eben: Toier, weil BMW draufsteht. Sonst ist die Pegaso die bessere Wahl. Hat, je nach Typ, ABS.
BMW 650 Scarver. Man sitzt aber tief, ist IMO pott-hässlich, geht eher schwach. Hat aber ABS an Bord. Zahnriemen-Antrieb und 1-Arm-Schwinge sind schick.
Yamaha XT 660 Ténéré. Siehe Honda XL 600 RPD. Das Gegenstück. Speziell in rot/weiss wohl einer DER Klassiker, und doch nicht so zickig wie die XT 500.
Zweizylinder:
Honda Transalp: Unkaputtbar, sehr gut verarbeitet. Die 1. und 2. Generation sind empfehlenswert, vor allem auch weil die 2. Generation bereits 2 Bremsscheiben vorne drin hatte. Leistungsmässig ist die 1. und 2. Generation den anderen beiden Generationen voraus.
Honda Africa Twin (650er und 750er). Speziell die 750er hat ordentlich Dampf, aber die 650er loift seidenweich. Halten ewig +2 Tage. Aber gerne verbastelt. Lieberhaberfahrzeuge.
Kawasaki KLE 500. ‚Fun‘-bike mit rund 50PS und kleinem Paralleltwin der GP-Modelle. Fährt sich nicht schlecht, ist aber für den kleinen Motor zu schwer und der Motor hat wenig Druck.
Suzuki DL 1000 und 650. Ja, etwas toirer, aber die kriegt man gebraucht schon für relativ wenig Geld. Hohe Laufleistungen sind wie bei den Hondas kein Problem. Der 1000er zählt sicher zum Besten, was je in eine Enduro verbaut wurde.
Kawasaki DLV 1000. Siehe Suzuki DL, mit dem Unterschied, dass die Kawa unbekannt ist und deswegen noch günstiger sein dürfte.
Yamaha Super-Ténéré: Extrem gute Grossenduro mit sehr breitem Einsatzbereich. Motor ist eine Wucht. Motorrad ist hoch, dürfte aber für Dich kein Problem sein. Auch hier: Hohe Laufleistungen sind idR kein Problem.
BMWs Boxer: Kennt man, aber alle toier
Cagiva 750 oder 900er Elephant. Wegen dem Ducati-Motor nicht ganz günstig im Unterhalt, bieten aber speziell mit dem 900er wohl die beste Show im ganzen Feld. Der Motor ist eine Wucht, die Bremsen eine Macht und das Ding ist jeder GS bis hoch zur 1150er ebenbürtig. Der Sound macht süchtig. Ich trauere meinem immer noch gelegentlich nach. Tipp: Wenn, dann die AC kaufen (Vergaser), da ist schnell mehr rausgekitzelt.
Aprilia CapoNord. Die einzige ‚moderne‘ des Feldes, aber wegen des geringen Bekanntheitsgrades sehr günstig zu haben. Sehr zuverlässig, Motor ist eine Wucht. Kann auch sehr sportlich.
Triumph Tiger 900. Dreizylinder Wuchtbrumme, aber sehr sportlich, drückt sehr schön, toller Klang. Sitzposition ist Geschmackssache. Zuverlässig.
Hondas Varadero der 1. Generation: Die Dinger kriegt man mittlerweile günstig.
Ich habe hier nur die gelistet, die mir bei Deinem Beschrieb relavant erscheinen.
Dein Budget kenne ich ja nicht, aber in der Liste sollte was zu finden sein.
Allen oben beschriebenen gemeinsam ist:
Ich bin sie alle schon gefahren.
Sind idR alle zuverlässig.
Die Einzylinder sind sicher bereit für 60t km, die 2-Zylinder für 100t und mehr, richtige Wartung vorausgesetzt.
KTM, Husquarna, Husaberg sind a) entweder nicht haltbar oder aber b) nicht reisegerecht.
Die Gilera XRT, die ein Geheimtipp wäre, ist nur zu empfehlen, wenn man selber schrauben will, da die Gilera-Händler nur noch Roller können. Dann aber ist sie ein wahres Schmuckstück.
Was ich überdies tun würde, würde ich mir sowas kaufen:
In den Kaufpreis gleich die Mehrkosten für Stahlflex-Leitungen einrechnen, mindestens für die Vorderbremsen.
Sollten Bremsprotektoren verbaut, gleich nach dem Kauf abnehmen und weglegen. Verhindern gerne Kühlung. Und die Dinger werden selten so im Schmutz gefahren, dass die Bremsen das in Mitteleuropa brauchen würden.
Solltest Du einen oder mehrer Favoriten ausgemacht haben, investiere zusätzlich 100Euro für einen Händler, der Dich für die 2. Besichtigung einer Maschine begleitet, bevor zu zusagst. Der findet mehr, als Du es selber je tun könntest.
Kaufe im Spätherbst, wenn möglich. Preise sind angenehmer.